Räumung des besetzten Hörsaals der Uni Osnabrück

Helga Hansen am 27. November 2009 - Ein Kommentar
Helga Hansen

Plakate und ein Wohnwagen – die Besetzung des Universitätsgebäudes an der Kolpingstraße war kaum zu übersehen. Die protestierenden Studenten wollten so auf die sich immer weiter verschlechternden Studienbedingungen aufmerksam machen. Jetzt sind die Plakate und die Studierenden weg, das Gebäude wurde am heute (Freitag) morgen geräumt. Helga Hansen war dabei.

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O-Ton Trommeln und Gesang (10 Sek) Wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut. Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut

Mit Gesängen und Trommelbegleitung räumten die Besetzer das Verfügungsgebäude. Mit rund 20 Einsatzwagen war die Polizei morgens vorgefahren. Sie gaben den Besetzern bis halb sieben Zeit, den Vorlesungssaal zu räumen, ohne eine Strafanzeige zu riskieren. Christopher Bertels, einer der Besetzer:

O-Ton Bertels (22 Sek) Wir haben geschlafen, zumindest der größte Teil von uns. Wir hatten extra ne Nachtwache aufgestellt, also bereitgestellt, wie eigentlich schon zuvor auch, aber gerade auch für heut Nacht, weil wir mehr oder weniger auch schon damit gerechnet haben, dass in den nächsten Tagen ne Räumung bevorstehen könnte und wir auch davon ausgegangen sind, wenn wir geräumt werden, dann auf jeden Fall nachts. Das hat man ja auch bei den anderen Universitäten gesehen, wie das da passiert ist. Dass dann analog vorgegangen wird, hatten wir eigentlich schon erwartet.

Die Räumung sei aber nicht freiwillig geschehen, betonten die Besetzer. Ein erstes Ultimatum der Universitätsleitung zur Räumung war am Mittwochmittag abgelaufen. 600 Studierende hatten in einer Vollversammlung aber beschlossen, die Besetzung für eine weitere Woche aufrecht zu erhalten. Jetzt drohten Strafanzeigen und eine Klage wegen Hausfriedensbruch.

O-Ton Bertels 2 (19 Sek) Andererseits ist es halt so, dass wir uns mehr oder weniger einstimmig dazu entschieden haben, uns von selbst zu sagen „Ok, wir gehen jetzt“. Uns erschien es in dem Moment einfach in der Gruppe angenehmer und vielleicht auch sinniger und vertretbarer nach außen, von selbst zu gehen. Das haben wir natürlich nicht einfach sang- und klanglos gemacht, sondern wir  sind dann mit unseren Transparenten, die haben wir uns zusammengesucht, unseren Protest ganz klar gemacht.

Universitätspräsident Claus Rollinger zeigte sich erfreut, dass die Besetzung friedlich zu Ende ging. Er hatte die Besetzung zunächst geduldet. Mit der Verabschiedung des Positionspapiers Anfang der Woche seien für ihn jedoch die unmittelbaren Ziele Besetzung erreicht. Außerdem ist die Raumnot an der Uni groß und hat sich mit der Renovierung des Schlosses noch verschärft. Auch hätten sich andere Studenten beschwert, dass ihre Vorlesungen in kleinere Räume verlegt wurden. Für die nächste Woche kündigte er Gespräche über mögliche Verbesserungen an:

O-Ton Rollinger (23 Sek) Wir haben unser Gesprächsangebot für nächste Woche ja auch angekündigt, also das wir da nen Termin finden, wo wir, nicht nur die Hochschulleitung, sondern auch die Dekane und Studiendekane, bereit sind mit den Studierenden über z.B. dieses Positionspapier zu diskutieren und vielleicht etwas besser heraus zu arbeiten, an welcher Stelle haben wir tatsächlich identische Interessen und wo haben wir unterschiedliche Vorstellungen.

Der Hörsaal in Osnabrück war vor zwei Wochen besetzt worden. Vor über einem Monat begannen die Proteste in Wien, inzwischen protestieren Studenten, Hochschulangehörige und Schüler an über 70 europäischen und nordamerikanischen Hochschulen.

Das Gebäude ist wieder frei, die Proteste von Schülern und Studierenden gehen nächste Woche weiter. Geplant sind unter anderem Flashmobs in der Innenstadt.

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