Hausärztliche Versorgung – die Situation im Landkreis

Anfang April hat der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler zur so genannten „Landarztquote“ heftige Diskussionen ausgelöst. Die Reaktionen von Parteien, Ärzteverbänden, Universitäten und Kommunen reichten von begeisterter Zustimmung über vorsichtige Bewertung bis zu schroffer Ablehnung. Was bedeutet nun der Vorschlag des Ministers, und wie sieht die Situation im Landkreis Osnabrück aus? Wolfgang Rakers hat nachgefragt.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein. Die Landarztquote hat zum Ziel, die Versorgung ländlicher Regionen vor allem mit Allgemein-Medizinern, also den klassischen Hausärzten, zu verbessern. Als Anreiz dazu schlägt Rösler u.a. vor, neben einer Erhöhung der Studienplätze den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern. Wer sich vor dem Studium verpflichtet, als junger Arzt für eine gewisse Zeit auf dem Lande zu praktizieren, könnte auch mit einem schlechteren Abiturnoten-Durchschnitt als 1,4 studieren. Kann so auf Dauer auch die hausärztliche Versorgung im Landkreis gesichert werden? Der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung in Osnabrück, Oliver Christoffers, beurteilt die augenblickliche Lage so:
(O-Ton Teil 1, 14 sec.)
Was heute schon im Emsland Sorgen bereitet, könnte in absehbarer Zeit auch den Landkreis Osnabrück betreffen. Die Vereinigung hat deshalb eine Rechnung bis zum Jahr 2020 aufgemacht. Ausgehend vom heutigen Versorgungsgrad, der nach bundeseinheitlicher Berechnungsnorm mit 110 % noch recht gut liegt, wird es in zehn Jahren so aussehen:
(O-Ton Teil 2, 14 sec.)
Was heißt, dass der Versorgungsgrad mit Landärzten auf 33 % absinken würde, käme nicht deutlich mehr Nachwuchs für die Praxen im Kreis. Nun wäre es eine Möglichkeit, den jungen Ärzten – sozusagen ebenfalls per Numerus Clausus – die Eröffnung einer Stadtpraxis zu verweigern. In gewissem Rahmen geschieht das auch schon. Aber auf Dauer ist das keine Lösung:
(O-Ton Teil 3, 27 sec.)
Bei dieser „Feuerwehr-Aufgabe“ sind auch – oder vielleicht sogar in erster Linie – die Kommunen gefordert. Das wissen sie längst. Und deshalb haben viele von ihnen beachtliche Kreativität gezeigt, um junge Ärzte anzulocken:
(O-Ton Teil 4, 24 sec.)
Die Bemühungen der Kommunen sind die eine Maßnahme. Die andere, die übergeordnete Steuerung, erwartet Oliver Christoffers von der Politik:
(O-Ton Teil 5, 26 sec.)
Und noch etwas steht dem Erfolg des Modells „Landarztquote“ entgegen. Nur 60 % der Studienanfänger der Medizin erreichen ihr Ziel, also den Abschluss.
40 % fallen also auch mit Zugangsbegünstigung aus. Andere wiederum entscheiden sich trotz ihrer ursprünglichen Verpflichtung, doch nicht Landarzt zu werden. Die Antwort auf die Folgen ist für Christoffers einfach:
(O-Ton Teil 6, 15 sec.)
Noch stehen die Zeichen für die hausärztliche Versorgung im Landkreis also nicht auf Sturm. Doch vorbeugende Maßnahmen sind schon heute erforderlich. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat daher weitere Schritte eingeleitet. Das reicht von der direkten Ansprache von Medizinstudenten über die Reform des Bereitschaftsdienstes bis zu attraktiven, allgemeinen Arbeits-bedingungen. Sonst – so der Vorsitzende der niedersächsischen Kassen-ärztlichen Vereinigungen – „bricht uns der Nachwuchs weg.“
Wolfgang Rakers zeichnete ein Bild von der Hausarzt-Situation im Landkreis. Eine mögliche Landarzt-Quote kann demnach nur ein Baustein in den Bemühungen aller Beteiligten im Gesundheitswesen sein. Zur generellen Verbesserung der Rahmenbedingungen für junge Ärzte liegt seit zwei Jahren ein Stufen-Konzept der Kassenärztlichen Vereinigungen in Niedersachsen vor.












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