Habari Afrika – Werke aus der Sammlung Klimmt einer Fälschung aufgesessen?

In der Serie „wenn schon falsch, dann aber richtig!“ deckt OS-Radio beliebte Irrtümer auf. Ob es sich bei einigen Objekten der aktuellen Ausstellung „Habari Afrika“ in der Kunsthalle Dominikanerkirche um falsch oder richtig handelt ist derzeit zu hinterfragen. Ein Artikel des Nachrichtenmagazins FOCUS hat ordentlich „Schrecken“ in die „Schönheit der traditionellen und zeitgenössischen Kunst Afrikas“ nach Osnabrück gebracht. Silke Grob wurde zum Krisengespräch bestellt.
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O-TON Klimmt Werke (kopfbedeckungen etc.
So beschreibt der Sammler und frühere saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt in einem Satz, seine über Jahrzehnte zusammen getragene Sammlung afrikanischer Kunst. Die vorwiegend aus Schwarzafrika stammenden Objekte sind derzeit in der Ausstellung „Habari Afrika“ in der Kunsthalle Dominikanerkirche zu sehen. Die Sammlung gibt wesentliche Einblicke in die Mythologien und Lebensverhältnisse afrikanischer Völker. Sie zeigt aber auch, die Einflüsse der so genannten Primitiven auf die künstlerische Elite der klassischen Moderne, wie bspw. Pablo Picasso oder Alberto Giacometti.
Stolz und glücklich schätzten sich Sammler und Kuratoren zur Eröffnung der gelungen Schau vor einigen Wochen. Doch nun zogen Wolken über der Sonne Afrikas in Osnabrück auf. Schuld ist ein Artikel des Nachrichtenmagazins FOCUS. In der Ausgabe vom 28ten Juni 2010 steht da auf Seite 44 geschrieben, dass ein Großteil der ausgestellten Arbeiten der „Klimmtschen Sammlung“ schlichtweg Fälschungen wären. FOCUS – Autorin Katrin Sachse will von renommierten Sammlern, Galeristen und Afrikaexperten erfahren haben, dass in Osnabrück „billige Flohmarkstücke“ oftmals nicht mehr als 100 € wert, dem Publikum präsentiert werden. Die Befragten streben noch härtere Töne an. Da ist von „plumpen Fälschungen“ die Rede, oder, ein -lt. FOCUS- anerkannter Schweizer Sammler tut die Objekte „als Spaß“ ab. Der auf afrikanische und ozeanische Kunst spezialisierte Galerist Simonis wiederum, bezweifelt die Sammlung Klimmt in so fern, dass wären die Arbeiten echt, Reinhard Klimmt: „Eine der wertvollsten Sammlungen der Welt besäße. Natürlich ließ der frühere Minister und Afrikakenner all die Häme nicht auf sich sitzen und reagierte.
O-TON Klimmt Anfang 16 Sekunden
So, der frühere Ernst-Moritz-Arndt-Schüler am Donnerstagmorgen, bei einer eiligst einberufenen Pressekonferenz. Beladen mit Auktionskatalogen und Zertifikaten von namhaften Wissenschaftlern, wie den renommierten Experten für schwarzafrikanische Kunst Francois Neyt klärt Klimmt über Ankäufe, Echtheitsexpertisen und Provenienzen seiner Sammlungsstücke auf.
O-Ton Klimmt Kuratiert 28 sek.
Auch der Basler Ethnologe, Till Förster eilte zu Hilfe. In einer über Nacht verfassten Schrift, hinterfragt er die Entfernung des Kunstmarktes –mit all seiner Habgier- von einem ernsthaften wissenschaftlichen Diskurs. Schon lange gehe es nicht mehr darum, was in den letzten Jahrzehnten zur afrikanischen Kunst erforscht wurde. Der Markt für die Kunst Afrikas bezieht sich vornehmlich auf sich selbst und neben dem Desinteresse internationaler Forschungsergebnisse, sei man noch weniger bemüht zu erfahren wie Afrika selbst!!! seine Kunst beurteilt. Es dreht sich ums Geschäft! Ein Schelm wer Übereinstimmungen zum aktuellen Fußballrummel entdeckt. Beim Nachdenken über die Authentizität eines Werkes führt der Ethnologe verschiedene Methoden an, die belegen können, dass eine Skulptur nicht „gefälscht“ ist. Dazu dienten beispielsweise Gebrauchsspuren wie Schweiß oder Abnutzungen und natürlich fehlten industriell gefertigte Farben und Öle. Weiterhin bauten die frühen Sammler afrikanischer Kunst auf das Wissen der Ethnologen. Gleiches galt für die Darstellungsweise. Sie sollte einem der Stämme entsprechen, die Ende des 19ten Jahrhunderts von den Kolonialmächten verwaltet wurden. Bei einer Überseinstimmung der eben angerissenen Praktiken, konnte man sicher sein, ein authentisches Werk vor sich zu haben. Also, von afrikanischen Handwerkern für ein afrikanisches Publikum hergestellt. Aber natürlich wurden die Fälscher oder Kopisten in den Jahren geschickter. Und hatten die Sammler einen Trick erkannt, war man auf der anderen Seite längst voraus. Fazit! Echtheit ist etwas unentscheidbares und scheinbar charakteristisch für unser Dasein. Daher reagiert der Kurator und Leiter der Kunsthalle DOKI auch recht entspannt auf die Vorwürfe des Magazins.
O-TON Drama & Beweis.
„Habari Afrika“ ist eine gelungene Werkschau über Künste, Religion und Alltagskultur des schwarzen Kontinents. Und „Habari Afrika“ verrückt unser Bild vom „naiven“ Geschick fremder Stammeskulturen. Mit viel Geschrei und Polemik schlagen Autorin und Expertenteam auf die Sammlung Klimmt und die Osnabrücker Ausstellung ein. Auch wenn das eine oder andere Stück vielleicht nicht ganz authentisch sein mag. Wer kann dies feststellen? Geht es nicht vielmehr darum, dass einer wie Reinhard Klimmt auf schnelle Autos und andere Trophäen in seinem Leben verzichtet hat, um sich der Sammelleidenschaft zu widmen? Eine Sammlung, die er der Öffentlichkeit präsentiert und nicht in gut gesicherten Stahlkammern hütet, wie so mancher Van Gogh auf dieser Welt. Klimmt will seine Sammlung der Öffentlichkeit zeigen, will Geschichten erzählen. Vor allem will er ein Stück Afrika der Nachwelt bewahren, das längst auch durch das Einwirken der westlichen Welt verloren gegangen ist!
Und das ist nicht „nur Spaß“, verehrte Kollegin vom FOCUS.
O-TON Lindhorst Reaktion
Wer sich selbst einen Eindruck über Falsch oder Richtig in der afrikanischen Kunst verschaffen will, kann dies noch gute drei Wochen tun. Und auf Anfrage bietet der Sammler Reinhard Klimmt gerne Führungen zu seiner Sammlung an. Anmeldungen in der Dominikanerkirche, Telefon 0541/323-2190.









Hier meine persönlichen und selbstverständlich rein subjektiven Komentare zu diesem Artikel:
„Schweiß oder Abnutzungen, keine industriell gefertigte Farben und Öle“: Das ist alles Standard bei rezenten Fälschern in Afrika.
Und an der Aussage „Weiterhin bauten die frühen Sammler afrikanischer Kunst auf das Wissen der Ethnologen“ ist nun wirklich alles falsch und die Aussage ist nicht weiter diskussionswürdig, welche „frühen Sammler“ sollen das denn gewesen sein? Und was hat das mit den spät gesammelten Stücken von Klimmt zu tun?
Auch die Aussage „Gleiches galt für die Darstellungsweise. Sie sollte einem der Stämme entsprechen, die Ende des 19ten Jahrhunderts von den Kolonialmächten verwaltet wurden“ ist vollkommener Unsinn, weil diese „Stämme“ überwiegend Konstruktionen der Kolonialherren waren.
„Habari Afrika“ verrückt unser Bild vom „naiven“ Geschick fremder Stammeskulturen“
- lenkt dafür den Blick dafür auf „naive“ westliche Sammler
Mit viel Geschrei und Polemik schlagen Autorin und Expertenteam auf die Sammlung Klimmt und die Osnabrücker Ausstellung ein. Auch wenn das eine oder andere Stück vielleicht nicht ganz authentisch sein mag ( Leider die meisten!) Wer kann dies feststellen?
-Tja, das ist natürlich der Trumpf solcher Sammler wie Klimmt und ihrer Händler
Geht es nicht vielmehr darum, dass einer wie Reinhard Klimmt auf schnelle Autos und andere Trophäen in seinem Leben verzichtet hat, um sich der Sammelleidenschaft zu widmen?
-Kennt die Autorin Herr Klimmt persönlich und weiß dass er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt?
Eine Sammlung, die er der Öffentlichkeit präsentiert und nicht in gut gesicherten Stahlkammern hütet (leider auf Kosten des Steuerzahlers, die Stahlkammer bezahlen andere Privatsammler selbst!)
Vor allem will er ein Stück Afrika der Nachwelt bewahren, das längst auch durch das Einwirken der westlichen Welt verloren gegangen ist! (die Fälschungen werden doch erst für die westliche Welt hergestellt!)
Noch ein Nachtrag: Ich habe inzwischen Gelegenheit gehabt den Orginaltext von Förster zu lesen. Es wird ersichtlich, dass Frau Grob nur unzureichend dessen ausgesprochen komplexen Inhalt verstanden hat.
Daraus werden einige merkwürdige Aussagen in ihrem Artikel verständlich.
Letztlich wird deutlich, dass Förster den Begriff der “Echtheit” anders definiert und bewertet als Klimmts Kritiker. Sein salomonischer Aufsatz sagt -so geistreich er zweifellos ist – in letzter Konsequenz nichts über die Güte von Klimmts Sammlung (im Sinne des ursprünglichen Streitpunktes) aus, sondern verschiebt die Perspektive in ein weniger riskantes Gebiet als das der “Echtheit” – indem er sich der “Ästhetik” zuwendet und ihr den Vorrang bei der Bewertung der Qualität afrikanischer Kunst gibt. Diese Aussage dürfte Klimmts erbitterte Kritiker wohl kaum befriedigen, mag aber zur Rehabilitation seiner Objekte aus Sicht von Klimmt und seinen Freunden beitragen und die Wogen wieder etwas glätten.
Es ist durchaus möglich auch afrikanische Kultobjekte in speziali- sierten Labors mit wissenschaftlichen Methoden oft schnell und relativ billig zu untersuchen und zumindest einen Teil der Fälschungen durch objektive Befunde sicher nachzuweisen. Mit dendrochronologischen und spektroskopischen Methoden, mit zerstörungsfreien Pigmentanalysen, mit einfachen mikrochemischen Methoden, mit dem Nachweis unüblicher oder anachronistischer Materialien, mit mikroskopischen Untersuchung der Bearbeitungs- technik, mit der Untersuchung der Alterungs-und Gebrauchsspuren, mit dem Nachweis einer künstlichen Alterung usw. ist zwar nicht für jedes Objekt ein sicherer Beweis der Echtheit zu erbringen aber viele Fälschungen können sicher nachgewiesen werden. Teilweise genügen schon einfache Untersuchungsmethoden. Das stilistische Wissen guter Fälscher übertrifft nicht selten das mancher Expertisenschreiber und unkritischer nicht spezialisierter Museumskuratoren. Ich glaube, dass im Klimmt-Fall zumindest der Vorwurf mangelnder Sorgfalt erhoben werden darf.
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