Osnabrücker Zeitreise: CO-Alarm

Christian Felsner

Abgase von Autos sind extrem gesundheitsschädlich – ein altes Problem. Katalysatoren, Rußfilter und Umweltzonen in den Städten sorgen heute dafür, dass uns die Abgase so wenig Schaden wie möglich zufügen. Vor 50 Jahren sah das noch anders aus: Auf Osnabrücks Straßen war dicke Luft. Messungen brachten alarmierende Ergebnisse. Insbesondere das hochgiftige Kohlenmonoxid in den Autoabgasen war ein Problem. Wissenschaftler dachten fieberhaft darüber nach, wie man den Straßenverkehr sauberer kriegen könnte – und sie kamen auf teilweise abenteuerliche Ideen. Christian Felsner mit der Osnabrücker Zeitreise:

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Siebeneinhalb Millionen Kraftfahrzeuge waren im Juli 1960 auf Deutschlands Straße unterwegs. Ein explosionsartiger Anstieg der Motorisierung. Der TÜV hatte ausgerechnet, dass all diese Fahrzeuge jährlich 15 Milliarden Kubikmeter Abgas produzierten. Auch in Osnabrück hatte die Zahl der Autos und Motorräder in kurzer Zeit stark zugenommen. Dementsprechend wurde auch die Belastung durch Abgase immer mehr zum Problem. Die größte Gefahr ging dabei vom giftigen Kohlenmonoxid aus. Denn die Kraftfahrzeuge pusteten es direkt in Mundhöhe der Fußgänger. Das Osnabrücker Tageblatt berichtete am 19. Juli 1960:

[Zitat 1]

An verschiedenen Verkehrsknotenpunkten in Osnabrück hatte man in der Luft zeitweise einen Kohlenmonoxid-Gehalt von knapp 0,03 Prozent gemessen. Auch solche scheinbar geringen Mengen konnten, über einen längeren Zeitraum eingeatmet, ernsthafte Gesundheitsschäden hervorrufen. Noch schlimmer als in Osnabrück war es im Ruhrgebiet. Hier hatte das Hygiene-Institut Mütter bereits davor gewarnt, ihre Kinder auf verkehrsreichen Straßen spazieren zu führen. Die große Frage war, wie man den Straßenverkehr in Osnabrück und anderen Großstädten sauberer bekommen könnte. Auch Deutschlands damaliger Staubfachmann Nr. 1, Prof. Dr. Meldau, hatte sich Gedanken darüber gemacht. Seine Ideen waren teilweise sehr abenteuerlich:

[Zitat 2]

Da schien es schon wesentlich realistischer zu sein, umweltfreundlichere Auspuffanlagen zu bauen. Insbesondere für Bezinmotoren. Denn sie hatten in Sachen Luftverschmutzung einen erheblich schlechteren Verruf als die fürchterlich qualmenden Dieselmotoren. 1960 war das größte Abgas-Sorgenkind das Kohlenmonoxid – und davon produzierten die benzingetriebenen Otto-Motoren am meisten. Der Feinstaub durch Dieselabgase war im Gegensatz zu heute noch kein Thema. Es galt also vornehmlich, die Benziner zu entgiften. Kaum zu glauben: Schon vor 50 Jahren hatte die Autoindustrie in den USA erste Katalysatoren konstruiert.

[Zitat 3]

Auch deutsche Wissenschaftler arbeiten bereits an Katalysatoren. Doch eins stand fest: Technologie allein würde nicht ausreichen, um dem schleichenden Gastod in den Straßen ein Ende zu bereiten. Es kam auch auf den guten Willen der Auto-Industrie an. Denn sie musste im Interesse der Volksgesundheit bereit sein, mehr Geld in die Konstruktion von Auspuffanlagen zu stecken.

Und das dauerte noch eine ganze Weile. Erst über zwei Jahrzehnte später, in den Achtziger Jahren, wurden Katalysatoren bei neuen Autos zum Standard. Christian Felsner war das mit der Osnabrücker Zeitreise.


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