Osnabrücker Zeitreise: Freunde fürs Leben

Die Kriegswirtschaft der Nazis stützte sich maßgeblich auf billige Arbeitskräfte. Dazu gehörten vor allem die so genannten Fremdarbeiter. Millionen von Soldaten und Zivilisten aus Frankreich, Holland, Belgien, der Sowjetunion und anderen Ländern waren nach Hitlers Eroberungsfeldzügen zur Zwangsarbeit in Deutschland herangezogen worden. Auch ein junger Mann aus Frankreich war unter ihnen. Er arbeitete während des Krieges in einer Gärtnerei in Schledehausen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Zwangsarbeitern empfand er seinen deutschen Chef nie als Feind. Vielmehr bestand ein fast freundschaftliches Verhältnis. 15 Jahre nach Kriegsende kam der Franzose mit Familie zurück nach Schledehausen – und er kam gerne. Christian Felsner mit der Osnabrücker Zeitreise:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein. „Saftige Flüche waren die ersten deutschen Worte, die ich gehört habe“ – so erinnerte sich André Berthe 15 Jahre nach Kriegsende an eine düsterere Epoche. Doch er hatte dabei durchaus ein Lächeln auf dem Gesicht. Kaum zu glauben: Seinen Sommerurlaub 1960 verbrachte der Pariser Finanzbeamte ausgerechnet dort, wo er einst als Zwangsarbeiter beschäftigt war – bei dem Gärtner Franz Preuß in Schledehausen. Wie es ihn im Krieg dorthin verschlagen hatte, verriet das Osnabrücker Tageblatt seinen Lesern am 14. Juli 1960:
Zitat 1
Dass vier Jahre Kriegsgefangenschaft ein Glück gewesen sein sollten, schien fast ein zynischer Witz zu sein. Trotzdem gebrauchte André Berthe genau diese Formulierung. Denn bei der Familie Preuß hatte er es besser als manch anderer Kriegsgefangener. Von Anfang an hatte Franz Preuß den jungen Franzosen wie einen guten Kameraden behandelt. Mehr noch, er riskierte zum Teil Kopf und Kragen für den Gefangenen. Preuß hatte André Berthe vieles gestattet, was damals streng verboten oder zumindest verpönt war. Familie Preuß wollte dem jungen Franzosen das Leben in Gefangenschaft so angenehm wie möglich machen. Und das war ihnen auch gelungen. Zusammen mit Zeitungsreportern betrat André Berthe bei seinem Besuch im Juli 1960 jene Orte, die für ihn während des Krieges zu einer zweiten Heimat geworden waren:
Zitat 2
Außer dem Hausherren kannte nur André Berthe diesen geheimen Mechanismus. Das Geheimnis des Medizinschranks war eine Flasche Cognac – in den Kriegsjahren eine besondere Kostbarkeit. 15 Jahre nach Kriegsende fühlte sich auch die Frau von André Berthe wohl in Deutschland. Da sie kaum Deutsch sprach, konnte sie sich allerdings nur wenig mit ihren Gastgebern unterhalten. Doch man verstand sich auch ohne viele Worte. 1960 war André Berthe nicht zum ersten Mal auf Nachkriegs-Besuch bei Familie Preuß. Und die Schledehausener hatten Familie Berthe auch bereits in ihrem Landhaus in Paris besucht. So ungewöhnlich die Geschichte von André Berthe auch anmutet – er war nicht der einzige ehemalige Kriegsgefangene, der nach dem Krieg mit Freuden zurückkam:
Zitat 3
Die unter Adenauer und de Gaulle betriebene Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich sollte aus langjährigen Feinden endlich Freunde machen. Doch im Kleinen hatte dieser Prozess schon viel früher eingesetzt. Die Geschichte von André Berthe stand für eine deutsch-französische Aussöhnung, die schon während des Krieges begonnen hatte.
Freundschaft für´s Leben – vor 50 Jahren besuchte ein ehemaliger französischer Kriegsgefangener seine alten deutschen Freunde in Schledehausen. Christian Felsner war das mit der Osnabrücker Zeitreise.












Sag deine Meinung!