Projekt Märchenstube

Marion Scholz am 28. Juli 2010 - Keine Kommentare
Marion Scholz

Welches Kind bekommt nicht gern Märchen erzählt? Märchen entführen uns in phantastische Welten: Naturgesetze sind außer Kraft gesetzt und es geschehen Wunder. Märchen sind aber nicht nur etwas für Kinder. Auch erwachsenen Ohren tun sie gut. Und dass Märchen eine sehr positive Wirkung auf Menschen mit Demenz haben, das zeigt das Projekt „Märchenstube“ im Osnabrücker Küpper-Menke-Stift. Das Alten- und Pflegeheim hat sich auf die Betreuung von Menschen mit Demenz spezialisiert. Marion Scholz hat beim Märchenerzählen gelauscht:

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O-Ton Sabine Meyer erzählt ein Märchen:

„Und an dem Abend als der Prinz ins Schloss zurückkehrte ging ein Gewitter hernieder…

Die Märchenerzählerin Sabine Meyer hat ein Jahr lang demenzerkrankten Bewohnern im Küpper-Menke-Stift Märchen erzählt. Von März 2009 bis dieses Jahr April hat sie einmal in der Woche ihr Märchengewand angezogen und 15 Teilnehmer in die „Märchenstube“ eingeladen. Das gleichnamige Projekt wurde vom Diakoniewerk Osnabrück in Auftrag gegeben. Wissenschaftlich begleitet wurde es von Antje Rethschulte von der Fachhochschule Osnabrück. Die Arbeit mit den dementiell Erkrankten entwickelte sich rasch sehr positiv. Sabine Meyers Erzählkunst wirkte sich u. a. auf die Mitteilungsfreude der Bewohner aus. Zum Beispiel beim Erzählen des Märchens Rapunzel:

O-Ton Sabine Meyer I:

“Dort gibt es eine Stelle, bei der sich Rapunzel verrät. Sie sagt: „Ach wie kommt es nur…“

Sabine Meyer wählte bewusst klassische Märchen, damit vergrabene Erinnerungen wieder geweckt werden. Das Wohlbefinden und die Entspannung aller Teilnehmer wurden durch die Märchen deutlich gesteigert. Die zur Krankheit gehörende Unruhe und Aggressionen gingen merklich zurück. Unter den Teilnehmern entwickelte sich ein Gruppenzusammenhalt, der Umgang miteinander war äußerst freundlich und hilfsbereit. Erstaunlich war auch die ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit, die bei Demenz eigentlich sehr eingeschränkt ist. Sabine Meyer erzählt von einem Teilnehmer bei dem „Die Prinzessin auf der Erbse“ aktivierend wirkte:

O-Ton Sabine Meyer II:

„Im Anschluss danach haben wir Erbsen gedöppt. Das haben mit Sicherheit die Bewohner alle früher einmal gemacht…“

Zusätzlich zu den Märchen haben die Teilnehmer kleine Aufgaben bekommen. So kam bei Dornröschen ein Spinnrad zum Einsatz. Oder es wurden Eierpfannkuchen gebacken beim Märchen „Der dicke fette Pfannkuchen“. Mathilde Hohmann ist Mitarbeiterin des Küpper-Menke-Stifts im begleitenden Sozialdienst. Zusammen mit ihrer Kollegin Ursula Loos hat sie die Teilnehmer der Märchenstube begleitet. Mathilde Hohmann ist von der Märchenstube begeistert:

O-Ton Mathilde Hohmann:

„Wir hatten eine Bewohnerin und die hatte sich immer sehr zurückgezogen, war fast nur in ihrem Zimmer…“

Die  „Märchenstube“ im Osnabrücker Küpper-Menke-Stift hat die Lebensqualität der dementiell erkrankten Bewohner verbessert. Gefördert wurde das Projekt mit 10.000 Euro von der Stiftung des Gesundheitszentrums Bad Laer. Wenn sich ein Fördertopf findet, plant Sabine Meyer eine weitere Märchenstube für schwer demente Menschen. Und die Bewohner des Küpper-Menke-Stiftes müssen weiterhin nicht auf Märchen verzichten. Alle zwei Wochen ist Sabine Meyer vor Ort und erzählt.


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