Auch “Kuckucksvater” werden ist nicht schwer!

Redaktion am 27. April 2012 - 2 Kommentare

Zusammenziehen, heiraten, Kinder bekommen. Der klassische Familientraum. Und Georg T. hat diesen mit seiner Frau verwirklicht. In diesem Glauben lebte er 15 Jahre lang. Dann kam ihm der Verdacht, seine Tochter Alexandra ist gar nicht sein Kind. Ein Vaterschaftstest brachte die Gewissheit – Georg T. ist ein so genannter Kuckucksvater. Aber seine Frau will den Namen des leiblichen Vaters nicht preisgeben. Dagegen geht Georg T. nun gerichtlich vor. Julia Westphal hat sich diesem Thema angenommen:

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Über 15 Jahre lang lebte Georg T. in dem Glauben, seine Tochter Alexandra sei sein leibliches Kind. Doch nach und nach kamen ihm Zweifel daran, wie er selbst beschreibt:

“Der Verdacht kam mir Anfang 2008, als ein Freund, mit dem ich mich abends zusammengesetzt habe, erzählte: Du, die Ulrike, das war damals auch ein ganz schlimmer Finger. Und auf einer Party musste ich mal meinen besten Freund rausschmeißen, weil die beiden so heftig rumgemacht haben! Und da kamen mir so ein paar erste Gedanken. Aber im Laufe der Zeit hatten Freunde, die meine Kinder auch noch gar nicht kannten, dann wenn sie sie sahen kam sofort der Satz: Du, die beiden Kleinen, das sind ganz klar deine Kinder, aber die Große, die passt da überhaupt nicht rein! Hinzu kam noch, dass ich sie nicht mehr riechen konnte. Ihr Geruch wurde mir einfach zu unangenehm, – das war komischerweise nur bei mir so. So kam Baustein zu Baustein und irgendwann stellte ich dann meine Exfrau vor die Aussage: Du, ich glaube, es ist nicht meine Tochter!”

Ein Vaterschaftstest brachte die Gewissheit: Alexandra ist nicht die leibliche Tochter von Georg T. Seine Frau aber will nicht sagen, wer der leibliche Vater von Alexandra ist. Dagegen will Georg T. nun gerichtlich vorgehen. Die Idee dazu kam ihm, da es im letzten Jahr (2011) einen ähnlichen Fall gab, der auch gerichtlich geregelt wurde:

“Anfang November gab es ein Urteil vom Bundesgerichtshof. Darin steht geschrieben, dass eine Frau sich nicht mehr auf ihre Persönlichkeitsrechte zurückziehen darf, sondern auch der Mann ein Recht darauf hat, zu erfahren, wer der Vater des Kuckuckskindes ist. Und dahinter stehen ja eine ganze Reihe von Dingen, wie zum Beispiel die Rückforderung von Unterhalt über die 15 Jahre, die ich bezahlt habe!”

Ohne die Auskunft, wer der leibliche Vater von Alexandra ist, ist es Georg T. nicht möglich, seinen über mehr als 15 Jahre geleisteten Unterhalt zurückzufordern. Seine Chancen vor Gericht sind allerdings schwer einzuschätzen. Denn wichtiger als das Urteil an sich ist die Frage, wieweit die Gerichte es ausführen können. Denn auch der Kuckucksvater, der die Klage am 9. November (2011) eingereicht hatte, weiß bis heute nicht den Namen des biologischen Vaters. Trotzdem hofft Georg T. auf einen guten Ausgang:

“Ich will also für meine Person – und vor allem auch für die Alexandra – Gewissheit, wer der Vater ist. Besonders für das Kind ist das wichtig zu wissen, wo komm’ ich her, welche Identität habe ich, wer ist mein Vater!? Und das kann einem nicht vorenthalten werden, das darf einem nicht vorenthalten werden. Meine Unterhaltsforderungen die sind wirklich nur zweitrangig. Im Prinzip sind die eigentlich nur Begründung für dieses Verfahren.”

Was ist eigentlich die erste Anlaufstelle für betroffene Personen? Seit einem Jahr gibt es einen Internetblog für Kuckucksväter. Marcus Spicker ist einer der Autoren des Blogs. Er erklärt die Grundidee des Blogs:

“Der Blog soll im Endeffekt Betroffene miteinander vernetzen, die Möglichkeit schaffen, dass man sich austauschen kann. Aber auch durch die Vernetzung mit Journalisten, mit Medien einfach die Möglichkeit schaffen, diesem Thema wieder mehr Raum in der öffentlichen Wahrnehmung beizumessen.”

Doch nicht nur für Kuckucksväter eignet sich der Blog. Er ist auch für Kuckuckskinder, Mütter oder andere betroffene Familienmitglieder gedacht.Heute ist Georg T. von seiner Frau geschieden und lebt mit einer anderen Frau und deren Kindern zusammen. Zu seinen Kindern hat er seit einem Jahr keinen Kontakt mehr. Sollte im Gericht nun der Name des leiblichen Vaters herausgefunden werden, hat Herr T. gute Chancen, seinen Unterhalt zurückzuverlangen. Der erste Gerichtstermin ist für den 31.05.2012 angesetzt. Und wenn auch Sie betroffen sind und Hilfe suchen, können Sie sich auf dem “Kuckucksvater-Blog” umschauen: www.kuckucksvater.wordpress.com.

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