Mehr Respekt, bitte!

Redaktion am 2. Mai 2012 - Keine Kommentare

Auch in diesem Jahr heißt es im Mai in Osnabrück wieder „Gay In May“. Bereits zum 34. Mal in Folge gibt es die schwul-lesbischen Kulturtage schon – „Gay In May“ ist damit das älteste Festival seiner Art in Deutschland. Längst sind die Kulturtage ein Aushängeschild für die Stadt geworden, das inzwischen auch Leute von weit außerhalb her nach Osnabrück lockt. Ingo Feil wollte mehr über „Gay In May“ und die schwul-lesbischen Kulturtage 2012 erfahren und berichtet hier für osradio 104,8:

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„Respekt!“ – so lautet das diesjährige Motto von „Gay In May“. Bis Anfang Juni werden in Osnabrück auf über 35 Veranstaltungen wieder zahlreiche Aspekte schwul-lesbischen Lebens vorgestellt, diskutiert und gefeiert. Politische Fragen stehen dabei genauso zur Debatte wie Lesungen, Konzerte oder Partys. Als ältestes schwul-lesbisches Festival in Deutschland kann „Gay In May“ auf eine lange Tradition zurückblicken. Mitorganisator Tobias Sunderdiek zur Geschichte der Kulturtage:

“Also, begonnen hat das alles 1978. Und erstmals wurde es 1979 unter dem Namen “Rosa Flut” das erste Festival für schwule und ganz andere normale Menschen bezeichnet. Und ab 1982 hieß es dann “Gay In May”. Einer der Schwerpunkte war von Anfang an, aufmerksam zu machen auf schwul-lesbische – später sagte man dazu queere Lebensformen. Auch innerhalb der Stadt sichtbar zu werden, und auch mit dem Rosa Courage Preis Personen auszuzeichnen, die sich besonders für die Belange von homosexuellen, bisexuellen, transsexuellen Menschen einsetzen.”

Der Rosa Courage Preis wird seit 1992 verliehen und ist jedes Jahr ein besonderes Highlight im Programm von „Gay In May“. Diesmal geht die Auszeichnung an Manfred Bruns. Der ehemalige Bundesanwalt und frühere Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland wird für sein Engagement für die Rechte Homosexueller und Menschen mit HIV und AIDS geehrt.

Die Preisverleihung ist nur eine von vielen Veranstaltungen der schwul-lesbischen Kulturtage. Auch in diesem Jahr gibt es bei „Gay In May“ wieder ein breites Programm an Lesungen, Konzerten, Filmvorführungen und Partys. So zum Beispiel „König des Comics“, einen Dokumentarfilm Rosa von Praunheims über den Comiczeichner Ralf König oder „Mit Frack und Fummel“, einen Chansonabend mit der Travestiekünstlerin Jezebel Ladouce. Rechtliche Fragen werden bei „Gay In May“ genauso beleuchtet wie schwul-lesbische Geschichte.

Ein weiterer Höhepunkt ist die traditionelle „Gay In May Party“ in der Lagerhalle, diesmal vorab mit „Love Bites – Die erotische Nacht“, einem Kabarett mit Berliner Künstlern. Das Thema der Identität spielt vor allem bei zahlreichen Vorträgen der Kulturtage eine wichtige Rolle. Dazu noch einmal Tobias Sunderdiek:

“Ich denke schon, dass das auch wichtig ist, zu zeigen, dass es nicht nur den Turnschuh- und den Ledermann gibt, sondern auch eine ganze Bandbreite dazwischen. Und homosexuell ist ja nur ein Aspekt – also, es gibt ja unglaublich viele Facetten. Und insofern denk’ ich schon, dass man abkehren muss von diesem ganzen Vereinheitlichen und durchaus auch Einzelbiographien eben als Beispiel nehmen kann, für mögliche Lebensformen.”

Längst lassen sich die unterschiedlichen individuellen Vorstellungen von Geschlecht oder Sexualität nur noch schwer mit vorgefertigten Schubladen vereinbaren. Zusammengefasst werden sie oft unter dem englischen Begriff „Queer“. Das Motto von „Gay In May“ lautet in diesem Jahr „Respekt!“. Tobias Sunderdiek erzählt, was es damit auf sich hat:

“Letztendlich kam das dadurch zustande, dass wir letztes Jahr ein Interview mit Karen-Susan Fessel hatten, und sie sagte: “Ich will nicht Toleranz – ich will Respekt haben!” Und wir denken auch, dass Respekt natürlich ein schärferes Wort als Toleranz ist, weil Toleranz lässt sich einfach sagen, aber Respekt zu haben – gerade vor Liebe, Liebe fordert immer Respekt! – da dachten wir, das es eigentlich ein gutes Motto ist. Darum haben wir auch ein dickes Ausrufezeichen dahinter gesetzt, um das nochmal einzufordern!”

Die Schriftstellerin Karen-Susan Fessel war 2011 mit dem Rosa Courage Preis ausgezeichnet worden.

Wer bei der Verleihung des Rosa Courage Preises an Manfred Bruns dabei sein möchte, kommt einfach am Freitag (04.05.) um 18 Uhr in den Friedenssaal des historischen Rathauses in Osnabrück. Die schwul-lesbischen Kulturtage „Gay In May“ sind noch bis Anfang Juni zu erleben. Den Auftakt macht das Podiumsgespräch „Bist du schwul oder Türke?“ mit Theaterregisseur Nurkan Erpulat heute (02.05.) um 19.30 Uhr im Oberen Foyer des Theaters Osnabrück.

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