Der Verein für Leibesübungen muss sich strecken – für eine erfolgreiche Zukunft!

Redaktion am 24. Mai 2012 - Keine Kommentare

Bei der Jahreshauptversammlung im Jahr 2011 hat es die Mitglieder gespalten, und jetzt fordert es auch der Rat der Stadt Osnabrück. Die Ausgliederung der Profifußball-Abteilung des Drittligisten VfL Osnabrück in eine GmbH steht mehr denn je auf der Agenda. Nachdem der Wirtschaftsrat das Präsidium damit beauftragt hat, die Umstrukturierung zu prüfen, gibt es nun die erste öffentliche Informationsveranstaltung zu diesem Thema. Denn auch das wurde auf der Jahreshauptversammlung beschlossen – die Mitglieder müssen regelmäßig auf dem neuesten Stand gehalten werden. Johannes Roggenkamp hat sich vorab mit dem VfL-Präsidenten Gert Lehker unterhalten:

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Es war die parteiübergreifende Forderung im Rat der Stadt Osnabrück: Der VfL muss seine Strukturen professioneller gestalten! Die Änderung der Rechtsform von der Profifußball-Abteilung wäre eine mögliche Lösung. Oberbürgermeister Boris Pistorius betonte, dass ein mittelständisches Unternehmen, welches der VfL angesichts der Geldbeträge darstelle, nicht mehr in der Rechtsform eines Vereins geführt werden könne. Andererseits beweisen viele Bundesliga-Vereine das Gegenteil. Bestes Beispiel ist Schalke 04. Der Ruhrpott-Club ist nach wie vor eingetragener Verein und handelt mit deutlich höheren Geldbeträgen.

VfL-Präsident Gert Lehker bekommt in der derzeitigen Vereins-Rechtsform einen Nachteil persönlich zu spüren:

“Ich merke das jetzt bei dieser Extrem-Situation, dass man das als ehrenamtlicher Präsident neben seiner Hauptbeschäftigung einfach nicht leisten kann. Das kann man für ‘ne kurze Zeit machen – natürlich -, aber das müsste man ja theoretisch nach der Konstruktion eines Vereins permanent machen. Denn gerade in so einem Fußballverein passiert ja ständig etwas, was von Gewicht ist, wo es um große Beträge geht. Und das kann man eben als ehrenamtlicher Präsident nicht mehr machen!”

Dabei ist es durchaus denkbar, die Vereinssatzung dahingehend zu verändern, dass ein hauptamtlicher Vorstand auch in einem Verein möglich ist. Eine weitere Möglichkeit wäre ein mehrköpfiger Vorstand, der sich die Aufgabenfelder teilt. Ein Beispiel dafür ist wiederum Schalke 04. Ein wirtschaftlicher Vorteil der Ausgliederung in eine GmbH könnte der Verkauf von Vereinsanteilen sein. Gemäß der 50+1-Regel wäre es möglich 49 Prozent des Vereins an Investoren zu verkaufen. Dies sei für Unternehmen attraktiver als ein Sponsoring, da sie dann durch einen möglichen Platz im Aufsichtsrat Mitgestaltungsmöglichkeiten bekämen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Vereinsanteile einmalig verkauft werden und danach kein Geld mehr einbringen:

“Es ist einmal zusätzliches Geld. Gar keine Frage. Wir müssen da schön darauf aufpassen, dass wir das dann nicht verbraten – gar keine Frage! Das heißt aber nicht, dass diejenigen, die sich dann auch am Verein beteiligen und Kapital einbringen, dann – wenn sie denn schon Sponsor waren – mit ihrer Sponsoreigenschaft aufhören. Das ist eigentlich so unsere Erwartung, dass die dann genauso weiter als Sponsor tätig sind, wie es in der Vergangenheit auch der Fall war. Sodass wir einmal noch zusätzlich einen Kapitalschub kriegen, und den müssen wir schön pflegen!”

Die CDU-Fraktion im Rat hat außerdem ein besseres Controlling der Finanzen gefordert. Die Beratungs- und Kontrollfunktion in dieser Hinsicht hat derzeit der Wirtschaftsrat. Der setzt sich zusammen aus Vertretern der Wirtschaft, aber auch aus Sponsoren. Ein Aufsichtsrat ist im Übrigen auch bei Vereinen möglich. Beispiel hierfür ist der VfB Stuttgart. Ähnlich wie der VfL Osnabrück hat auch der VfB mehrereTochtergesellschaften. Beim VfL ist diese die Lila-Weiß Marketing GmbH. Viele Fans fürchten jedoch bei einer Ausgliederung den Wertverlust der eigenen Stimme und den zu großen Einfluss der Sponsoren. Mit anderen Worten einen geringeren Einfluss der Mitgliederversammlung:

“Wir wollen eben gerade nicht weniger Mitwirkungsrecht von Vereinsmitgliedern. Sie haben weiterhin die Möglichkeit, das Präsidium – genau wie heute – zu wählen und sollen darüber hinaus weitere Rechte bekommen, bis hin zu einem Sitz im Aufsichtsrat. Dass dort auch die Mitgliederversammlung aus ihrem Kreis heraus dann auch Vertreter stellt. Und dann hat man einen viel größeren Einflussbereich, als das heute der Fall ist!”

Nur sechs Clubs der vergangenen Bundesliga-Saison haben ihre Profifußball-Abteilung nicht in eine GmbH oder eine AG ausgegliedert. Eine Umstrukturierung in eine GmbH ist für den VfL Osnabrück sicher eine gute, aber eindeutig nicht die einzige Möglichkeit. Ein Punkt sollte jedoch mittlerweile allen Beteiligten klar sein – dass die derzeitige Vereinsstruktur nicht mehr zeitgemäß ist!

Es wird Veränderungen geben müssen beim VfL Osnabrück, sonst wird es sehr schwer für den Verein, ein solides wirtschaftliches Gerüst aufzubauen. Vor allem wenn es sportlich nicht optimal läuft. Für alle interessierten Fans und Mitglieder gibt es nächsten Mittwoch, am 30. Mai 2012 eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema. Ab 18.30 Uhr findet diese in der Sporthalle Wallenhorst statt. Das war Johannes Roggenkamp, er hat mit VfL-Präsident Gert Lehker über eine mögliche Ausgliederung der Profifußball-Abteilung in gesprochen.

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