VfLer beim Thema Ausgliederung noch uneins

Redaktion am 31. Mai 2012 - Keine Kommentare

Anmoderation:

Fußball GmbH oder eingetragener Verein? Die Frage nach der Strukturierung der Profifußball-Abteilung beschäftigt nach wie vor Fans und Funktionäre vom VfL Osnabrück. Der Wirtschaftsrat hatte anlässlich der vergangenen Jahreshauptversammlung die Vereinsführung damit beauftragt, eine mögliche Ausgliederung zu prüfen. Nach großem Widerstand von einigen Mitgliedern wurde beschlossen, dass die Mitglieder in regelmäßigen Abständen über den Planungsstand informiert werden. Gestern (am 30.05.2012) gab es die erste Informationsveranstaltung in der Sporthalle in Wallenhorst. Johannes Roggenkamp hat sich unter die Teilnehmer gemischt und folgenden Bericht mitgebracht:

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Am Ende waren es keine gänzlich neuen Erkenntnisse, die der erste Informationsabend zum Thema Fußball-GmbH mit sich brachte. 160 Mitglieder und Fans hatten sich in der Gymnastikhalle am Wallenhorster Schulzentrum eingefunden, um Informationen über den aktuellen Planungsstand zu erhalten. VfL-Präsident Gert Lehker und Christian Kröger, Professor an der Hochschule für die Fächer Rechnungswesen und Finanzen, präsentierten mögliche Szenarien für eine Ausgliederung der Profifußball-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft. Ein großer Vorteil ist Christian Kröger zufolge, die klare Struktur einer GmbH:

“Der Profifußball wird in klaren Strukturen übertragen, mit ‘ner klaren rechtlichen Struktur. Da gibts ‘ne hauptamtliche Geschäftsführung, da wird ein Aufsichtsrat benannt und eine Gesllschafterversammlung. Es gibt schnelle Entscheidungsstrukturen, die auch den Ansprüchen des modernen Fußballs gerecht werden. Die anderen Bereiche des Vereins, die ja nach wie vor gelten, werden geschützt und sind eigentlich von diesem Instrument unberücksichtigt!”

Gert Lehker äußerte erstmals Bedenken, ob es für den VfL überhaupt rechtens sei, als eingetragener Verein zu arbeiten. Da die vorgeschriebene Gemeinnützigkeit nur im Breitensport zu finden sei und dieser gegenüber dem Leistungssport deutlich im Hintergrund stünde. Außerdem dürfe der e.V. nicht wirtschaftlich tätig sein. Lehker sieht zivilrechtlich und steuerrechtlich erhebliche Probleme.

In einem Schaubild erläuterten Lehker und Kröger eine mögliche Struktur. Der nach wie vor existierende Verein VfL Osnabrück hält die vorgeschriebenen 51 Prozent an der GmbH, der Rest könne von mehreren privaten Investoren und Unternehmen erworben werden. Der Verein wird von einem Vorstand geleitet, die GmbH von einem Hauptgeschäftsführer, der jedoch weisungsgebunden gegenüber der Gesellschaft, sprich dem VfL Osnabrück, ist. Ein Aufsichtsrat mit maximal 9 Personen bestünde aus Investoren, Vereinsfunktionären und gewählten Personen aus der Mitgliederversammlung. Er übernimmt die Kontrollfunktion über die GmbH. Die Mitgliederversammlung wählt und entlastet das Präsidium, sowie teilweise den Aufsichtsrat.

Axel Balzer ist aktives Mitglieder bei der Fan-Gruppierung “NfdV” und auch nach der Veranstaltung noch nicht von der Ausgliederung überzeugt:

“Die Zweifel bestehen darin, dass uns bis heute nicht klar gemacht wurde, wo wirklich die Vorteile der Kapitalgesellschaft sind. Ich bin der Meinung, dass alle Strukturen auch in einer Vereinsstruktur realisierbar sind!”

Die anschließende offene Diskussion offenbarte, dass Balzer mit seinem Zweifel nicht alleine ist. Ein ums andere Mal forderte der Vorsitzende vom Wirtschaftsrat Hans-Jürgen Fip, dass ein gemeinsamer Weg nur mit Vertrauen beschritten werden könne. Gerade das sei, mehreren Rednern aus dem Publikum zufolge, aber in der Vergangenheit verspielt worden. Nach diversen Abstiegen, der Steuerermittlungsaffäre und der turbulenten Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr. Einige der anwesenden Gäste sprachen von Bedenken gegenüber möglichen Investoren. Diese würden Lehker zufolge ohne Renditeforderungen in den VfL investierten. Wiederum andere argumentierten mit der idellen Verbindung zum Verein VfL. Sie wollen nicht in der Ostkurve stehen, um eine GmbH zu unterstützen.

Die von einem Mitglied geforderten Zahlen und Kalkulationen wird es wahrscheinlich erst bei der nächsten Informationsveranstaltung im September geben. Die wichtigste Erkenntnis nach der ersten Informationsveranstaltung ist das fehlende Vertrauen, das fehlende „Wir-Gefühl“ beim VfL Osnabrück. Aktuell gehen die Meinungen noch stark auseinander, von der nötigen Dreiviertel-Mehrheit für eine Satzungsänderung im November, sind alle Beteiligten noch weit entfernt.

Abmoderation:

Weiter geht’s beim VfL schon am 11. Juni 2012 mit der außerordentlichen Mitgliederversammlung, bei der das Thema Ausgliederung mit Sicherheit wieder auf der Agenda steht. Die Vereinsführung muss noch Überzeugungsarbeit leisten, – eines ist aber sicher: Eine Umstrukturierung wird es geben, ob die Profifußball-Abteilung dann in einer GmbH oder einem eingetragenen Verein organisiert ist, wird sich im Laufe des Jahres abzeichnen. Das war Johannes Roggenkamp, der bei der ersten Informationsveranstaltung zum Thema Ausgliederung dabei war.

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