Auch der Blindenfußball hat seine eigene Bundesliga!

Redaktion am 11. Juni 2012 - Keine Kommentare

(Anmoderation:)

Blindenfußball ist eine ganz besondere Art des Fußballs. Dabei ist er mindestens genauso rasant und mitreißend wie das Spiel Sehender. Und mit einer eigenen Bundesliga und sogar Nationalmannschaft ebenso deutschlandweit vertreten. Unser Kollege Jens Unnewehr zeigt sich jedenfalls positiv überrascht und berichtet hier, wie Blindenfußball gespielt wird, wer dabei mitmacht und was es sonst noch so darüber zu berichten gibt:

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Es existiert eine Blindenfußball-Bundesliga! Jawohl, richtig gehört! Und es ist sogar richtig spannend, so einem Spiel zu zuschauen. Robert Voigtsberger, stellvertretender Direktor des Deutschen Behinderten Sportverbandes nennt uns ein paar Details:

“Die deutsche Blindenfußball-Bundesliga, die wir gemeinsam mit der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußballbundes, dem Deutschen Blinden- und Sehbehinderten Verband und wir als Deutscher Behinderten Verband durchführen, dort melden sich die Mannschaften an, die möchten. Das sind insgesamt acht Mannschaften in ganz Deutschland. Wobei eine Mannschaft aus so genannten Spielgemeinschaften besteht. Ich weise zum Beispiel auf die Spielgemeinschaft Berlin/Braunschweig hin, oder auch die Spielgemeinschaft Dortmund/St. Pauli. Entscheidend ist, dass die Mannschaften genügend Spieler haben und ansonsten gibt es letztlich keine Voraussetzungen, um sich bei der deutschen Blindenfußball-Bundesliga anzumelden. Natürlich sind die behinderung-spezifischen Voraussetzungen zu erfüllen. Also, es muss sich hier um blinde und sehbehinderte Menschen handeln, die auch offiziell durch uns klassifiziert worden sind!”

Es gibt einige Unterschiede zu dem uns bekannten, in Anführungsstrichen „normalen“ Fußballspiel. Wie z. B. beim Ball, denn der ist beim Blindenfußball etwas kleiner und vor allem deutlich schwerer als der normale Fußball. Der Grund: Im Ball sind Rasseln eingebaut, damit die Spieler ihn hören können und wissen, wo sich das runde Leder gerade befindet. Außerdem soll der Ball möglichst nicht so hoch springen.

20 mal 40 Meter misst das Spielfeld und ist damit um einiges kleiner. Ähnlich wie beim Hallenfußball sind beim Blindenfußball die Längsseiten durch Banden begrenzt und werden ins Spiel aktiv einbezogen. Das Spiel selbst hat eine Länge von 2 x 25 Minuten. Hier wie dort muss das Runde ins Eckige. Das Tor ist aber kleiner als das bekannte und ist zwei mal drei Meter groß. Eine Mannschaft besteht aus vier Feldspielern und einem Torwart. Die Feldspieler müssen vollblind sein oder bei einem eventuell vorhandenen Sehrest, diesen durch das Tragen von dunkelen Brillen ausgleichen. Der Torwart ist die Ausnahme. Er darf sehen und muss seine Augen nicht bedecken. Dafür darf er seinen kleinen Torraum nicht verlassen und nur dort den Ball aufnehmen.

Die sprachliche Kommunikation auf und neben dem Feld ist enorm wichtig. Die Spieler der Mannschaften erhalten Zurufe von außen: Der Torhüter leitet die Abwehr, der Trainer das Mittelfeld, und ein „Guide“ hinter dem gegnerischen Tor unterstützt seinen Sturm. Eine zentrale Rolle auf dem Spielfeld spielt das spanische Wort „Voy“. Es heißt „Ich komme“. Jeder Spieler, der sich dem ballführenden Akteur nähert, muss dieses Wort immer wieder laut rufen. Macht er es nicht zählt, es als Foul. Ein Grund, warum alle Spieler zu ihrer Sicherheit einen Kopfschutz tragen müssen. Passieren denn beim Blindenfußball mehr Verletzungen als im „sehenden“? Das beantwortet Robert Voigtsberger, stellvertretender Direktor des Deutschen Behinderten Sportverbandes:

“Ob jetzt mehr als im sehenden Fußball passiert, lässt sich ehrlich gesagt nicht statistisch belegen oder eindeutig sagen. Es ist natürlich schon so, dass es zu Zusammenstößen kommt. Das Wort “Voy” soll eigentlich das Schlimmste verhindern, aber nichtsdestotrotz in der Geschwindigkeit kann es natürlich immer zu Zusammenstößen kommen. Im Blindenfußball wird deshalb auch ein Kopfschutz eingeführt. Nichtsdestotrotz kommt es doch immer mal wieder dazu, dass sich dort vielleicht auch ein Spieler mal die Nase bricht. Aber viele sehen das im Fußball letztlich auch. Somit kann man da jetzt nicht von größeren Verletzungsrisiken sprechen.”

Statt nur eines Schiedsrichters gibt es beim Blindenfußball zwei. Genau genommen sogar drei: Ein dritter Schiedsrichter sitzt am Spielfeldrand, seine Aufgaben sind u.a. die Zeit zu nehmen und der Spielbericht. Außerdem koordiniert er die “Time Outs” und Auswechslungswünsche der Trainer. Auch beim Blindenfußball gibt es Fouls. Es gibt so genannte persönliche Fouls und Teamfouls, es gibt Strafstöße und Freistöße, es gibt gelbe und rote Karten. Aber, es gibt kein Abseits! Für die Zuschauer ist ebenfalls so manches anders: Damit die Spieler die Anweisungen und den Ball hören können, ist Anfeuern und Zurufen während des laufenden Spiels – ähnlich wie beim Tennis – Tabu. Nach einem Tor oder bei Spielunterbrechungen darf aber selbstverständlich kräftig gejubelt und applaudiert werden.

(Abmoderation:)

Viele Zuschauer tragen Kopfhörer. Das Spiel wird nämlich von zwei Reportern live, ähnlich wie bei einer Rundfunkreportage, kommentiert. Damit nicht nur blinde Zuschauer wissen, was sich auf dem Platz tut, sondern auch die Auswechselspieler. Die Reportage wird per Livestream auch im Internet übertragen, so dass daheim gebliebene ebenfalls die Spiele verfolgen können. Sie sehen: Blindenfußball ist eine ganz besondere Art des Fußballs. Falls Sie nun Interesse haben, am 25.08.2012 hat die Blindenfußball-Bundesliga auch bei uns in der Nähe einen Spieltag und zwar in Herford auf dem Rathausplatz.

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