Noch viel mehr Dächer in OS könnten Solaranlagen aufnehmen!

Redaktion am 25. Juni 2012 - Keine Kommentare

“Anmoderation:)

„Atomstrom? – Nein, danke!“ Dieser Meinung sind mittlerweile die meisten Menschen. Mehrere Atomkatastrophen wie Fukushima in Japan haben klar gezeigt, die Atomkraftwerke müssen weg. Bis 2020 sollen alle hiesigen Atomkraftwerke ausgeschaltet werden. Jetzt wird Deutschland „grün“. Von Wind- bis Solarenergie wird jetzt fleißig nach erneuerbaren Energien gesucht, um den Strombedarf ohne Beeinträchtigung der Umwelt zu decken.

Einen Teil dazu trägt Osnabrück seit 2008 mit dem Projekt „Sun Area“ bei. Über ein Internet-Portal können sich die Osnabrücker Bürger informieren, ob sich ihr Hausdach für den Anbau von Solaranlagen eignet. Allerdings ging das zunächst nur für den Bereich Photovoltaik – also Solarstrom. Heute (25.06.2012) hat die Stadt Osnabrück eine Neuauflage unter dem Titel: „Solardachpotenzial Osnabrück 2012“ vorgestellt. Damit liegt der Blickpunkt jetzt auch auf Solarthermie – also Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung. Und das ist nicht die einzige Neuerung, wie Julia Westphal zu berichten weiß:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Als erste Stadt in Europa wurde 2008  für Osnabrück im Rahmen des Projektes „Sun Area 2008“ ein flächendeckendes Solarpotentialkataster berechnet. Seitdem können sich die Osnabrücker Hausbesitzer die Solarstromeignung ihres Daches im Internet anzeigen lassen. Inzwischen gibt es das Solardachkataster in rund 400 Kommunen in ganz Deutschland – unter anderem in Hannover, Hamburg und Berlin. Das Projekt ging von der ehemaligen Fachhochschule in Osnabrück aus. Die Stadt Osnabrück hat das Angebot von 2008 erweitert. Die Neuauflage „Solardachpotenzial Osnabrück 2012“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Osnabrück, der Firma IP SYSCON und der Hochschule Osnabrück.

Das neue Projekt umfasst nicht nur die Eignung für Photovoltaik, sondern auch für Solarthermie. Detlef Gerdts ist Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz. Er erklärt die Neuerungen des Projektes:

“Das bedeutet, dass wir zu jedem Dach jetzt sagen können, es ist für Solarstromerzeugung geignet. Ist es für Warmwassererzeugung geeignet oder für die Heizungsunterstützung. Und alle 70.00o Dächer der Stadt Osnabrück wurden daraufhin genauestens analysiert, und wir wissen jetzt, dass bei Solarstromerzeugung 31.000 Dächer gut oder sehr gut geignet sind. Das heißt dort könnte man wirtschaftlich Solarstrom erzeugen. Bei Warmwasser sind das noch deutlich mehr!”

Das Online-Portal zeigt aber nicht nur die Eignung der Hausdächer für Photovoltaik und Solarthermie. Zudem erhalten die Bürger Angaben  über die potentiell installierbare Modulfläche, zum maximalen Stromertrag pro Jahr und der potentiellen CO2-Vermeidung für jede Kilowattstunde Strom bzw. Wärme.

Direkt an das Kataster ist ein Wirtschaftlichkeitsrechner angeschlossen. Damit können sich die Bürger informieren, ob sich eine Solarstromanlage auf ihrem Dach überhaupt rentiert. Der Wirtschaftlichkeitsrechner berücksichtigt dabei unter anderem die aktuellen Einspeisevergütungen oder auch die aktuellen Durchschnittspreise für Photovoltaikmodule. Die neue Internetbenutzung soll benutzerfreundlicher und deutlich genauer sein. Und so funktioniert das Online-Portal:

“Sie rufen dann eine Karte auf. Dort finden sie über Straßenname und Hausnummer schnell ihr eigenes Haus und sehen dann, wenn sie draufklicken, was sie dort installieren können, was es sie kostet und was es bringt. Angeschlossen ist ein Wirtschaftlichkeitsrechner. Wenn sie den anklicken, dann werden ihre Dachdaten automatisch übernommen und ihnen ausgerechnet, was das in 20 Jahren an Gewinn bringen könnte, wenn sie dort auf Solarstrom setzen. Mit den aktuell diskutierten Daten.”

Wie lässt sich eigentlich feststellen, welche Dächer gut für Solaranlagen geeignet sind? Dieser Untersuchung liegt eine genaue Datenerfassung durch so genannte Laserscannerbefliegung zu Grunde. Die erste Vermessung erfolgte 2005. Damals wurden etwa 4 Höhenmesspunkte pro Quadratmeter ermittelt. In der neuen Untersuchung waren es bereits 10. Insgesamt liegen nun etwa 1,25 Milliarden Höhenmesspunkte für Osnabrück vor. Diese sehr große Menge an Vermessungsdaten wurde der Stadt Osnabrück für das Projekt „Solardachpotenzial Osnabrück 2012“ zur Verfügung gestellt – zusätzlich zu Luftbildern. Diese Neuberechnung erfolgte unter der Leitung der Firma IP SYSCON. Dorothea Ludwig arbeitet für diese Firma. Sie erklärt, wie die neue Datenerhebung funktioniert:

Grundlage ist ‘ne Flugzeugbefliegung, also das Flugzeug fliegt über das Stadtgebiet Osnabrück und scannt quasi die Oberfläche des Stadtgebietes ab. Und so haben wir Daten, die sehr genau sind, und die quasi das Dach, die Bäume, das ganze Stadtbild von oben in einer dreidimensionalen Darstellung aufzeigt. Und wir dann über diese Daten die Dachneigung berechnen und gucken, wo sind Schornsteine, wo sind Gauben, und berechnen dann den Sonnenstand wie er im Jahres- und Tagesverlauf sich verhält und errechnen dann die Einstrahlung pro Dachteilfläche.”

In der ersten Vermessung waren von den rund 70.000 Dächern in Osnabrück 26.000 als „gut“ oder „sehr gut“ geeignet dargestellt. Durch die Neuauflage des Solardachkatasters sind es nun über 30.000. Wären alle diese Dächer mit Solarzellen beleget, ergäbe das einen potenziellen Stromertrag von über 300.000 Megawatt-Stunden pro Jahr – das entspricht 34 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Osnabrück. Das Projekt ist eingebettet in den „Masterplan 100 % Klimaschutz“ vom Bundesumweltministerium. Diesen Plan erklärt Detlef Gertds:

“Ziel ist es, hier herauszufinden, wie eine Kommune im Verbund mit den umliegenden Landkreisen es erreichen kann, bis 2050 gegenüber 1990 95 Prozent CO2-Reduktion zu erreichen und 50 Prozent des Energieverbrauchs zu reduzieren. Und da ist es gerade für die Städte unverzichtbar, dass wir den Solarstrombereich sehr stark ausbauen!”

Osnabrück ist als sehr regnerische Stadt bekannt. Warum Solarenergie trotzdem eine große Rolle spielt, erklärt Detlef Gertds so:

“Auch im Norden reicht der Strom aus, dass man mit einer etwa 30 Quadratmeter großen Anlage auf dem Dach – die jeder eigentlich auch auf seinem Dach installieren kann – seinen gesamten Stromverbrauch fürs Jahr decken kann. Und da müssen wir eben hin!”

(Abmoderation:)

In den letzten fünf Jahren gab es durch das Projekt „Sun Area“ einen hohen Anstieg der installierten Solarmodule auf den Osnabrücker Dächern zu verzeichnen. Auf der Internetseite erhalten Sie also Informationen, wie sich Ihr Dach für Solaranlagen eignet. Auch bietet die Seite eine Entscheidungshilfe – eignet sich eher eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage?  Außerdem können Sie errechnen lassen, inwiefern sich die Investition in eine solche Anlage ökonomisch lohnt. Dann mal viel Spaß beim Datenjonglieren.

Download

Download

Sag deine Meinung!

Kategorien