Containern – oder warum Menschen (auch in OS) Lebensmittel aus dem Müll fischen!

Redaktion am 16. Juli 2012 - 2 Kommentare

(Anmoderation:)

Deutschlands Supermärkte werfen jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Ein Großteil davon ist noch genießbar, teilweise sogar ohne jeden Makel. Dass die Lebensmittel noch essbar sind, machen sich einige Leute zu Nutze und gehen “containern”. Doch was ist das überhaupt … dieses containern? Und wen betrifft es? Wir bringen Licht ins Dunkel. Sarah Lindemann hat sich mit dem brisanten Thema auseinandergesetzt:

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Containern -  ein Wort, das oft in den Medien zu hören ist, und trotzdem wissen viele Menschen nicht, was man sich darunter vorstellen muss. Containern wird auch häufig “Mülltauchen” oder “Dumpstern” genannt. Die so genannten Dumpster dringen nachts auf die Gelände der Supermärkte, um die noch genießbaren Lebensmitteln aus den Containern zu fischen. Die Beweggründe sind vielschichtig. Viele sind wegen ihrer Armut gezwungen, containern zu gehen. Während man bei den Supermarktbesitzern dabei oft auf Ablehnung stößt, äußern sich die Bürger Osnabrücks positiv darüber:

(Dazu einige Meinungen von Passanten aus der OS-City):

“Ist völlig in Ordnung, dass Leute aus Containern sich was nehmen!”

“Dinge, die noch essbar sind, die noch genießbar sind, sollten nicht weggeworfen werden, sondern von den Leuten, die sie nötig haben, genutzt werden.”

“Ich find’s okay, bevor es weggeschmissen wird, sollen es doch die Leute nehmen, die es haben wollen oder brauchen, ehrlich gesagt!”

“Die Leute, die nichts haben und sich da rantrauen, die sollen sich das auch ruhig mitnehmen.”

“Containern – find ich gut!”

Doch Armut ist nicht die einzige Motivation. Politische Gründe spielen hier eine immer größer werdende Rolle. Häufig über das Internet finden sich Gruppen aus Aktivisten, die zusammen containern gehen. Wir haben mit den zwei Dumpstern Nils und Lukas über ihre Beweggründe geredet:

“Ja, wir haben ja beide auch genug Geld. Also, wir brauchen nicht containern zu gehen, um zu überleben. Aber wir sehen es als unsere soziale Verantwortung an, einfach loszuziehen und die Ressourcen, die da sind, auszuschöpfen.”

“Wir möchten gegen die Verschwendungssucht der westlichen Welt etwas tun. Es ist ja so, dass wahnsinnig viele Lebensmittel weggeworfen werden. Und das ist in einer Welt, in der natürliche Ressourcen sehr knapp sind, unverantwortlich. Es werden in Europa und Nordamerika so viele Lebensmittel weggeworfen, dass alle Hungernden der Welt davon dreimal (3 x) satt werden könnten!”

“Wir haben ja auch überhaupt keine Relation mehr zu den Lebensmitteln. Sobald das Haltbarkeitsdatum nur drei Tage beträgt, und eine Banane zum Beispiel eine braune Stelle hat, wird’s weggeschmissen. Wir finden halt im Müll riesige Mengen an Bananen – bestimmt so 10 Kilo die Woche. Und auch andere Sachen, die richtig gut sind, haltbar sind und lecker aussehen. Man kann da einfach einen guten Dienst tun an der Gesellschaft und dieses Essen essen. Damit die Nachfrage insgesamt vielleicht doch etwas sinkt.”

Damit sich die weggeworfenen Lebensmittel auf ein Minimum reduzieren, bieten einige Supermärkte bald ablaufende Produkte zu niedrigeren Preisen an. Das ist auch ganz im Interesse von dem Aktivisten Nils:

“Wir hoffen einfach, dass die Supermärkte vielleicht darauf reagieren und diesen Trend erkennen. Und durch geschickte Rabattsysteme – oder wie auch immer – dafür sorgen, dass die Produkte doch an den Käufer weitergehen. Viele Supermärkte machen das ja auch schon, indem sie fünf Tage vor Ablauf des Produktes 30 Prozent drauf geben!”

Das Strafrecht ist jedoch nicht auf der Seite der Aktivisten: Der Müll gehört den Supermärkten, genau genommen ist es also Diebstahl. Außerdem begeht man teilweise Hausfriedensbruch, wenn der Container auf dem Gelände der Firmen steht. Legal ist das Ganze also nicht. Das stört die Dumpster aber nicht. Einen anderen Ausweg sehen die meisten auch nicht, denn der Hauptgrund für das Containern ist tatsächlich Armut.

(Abmoderation:)

Containern bezeichnet die Mitnahme von noch essbaren Lebensmitteln aus Supermarkt-Müll-Containern. Das machen einige Menschen aus Armut, andere aus politischer und moralischer Überzeugung. Strafrechtlich gesehen ist die “gute Tat” zwar Diebstahl, einen deutlichen Trend zum Containern gibt es aber unverkennbar trotzdem.

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2 Kommentare »

  • Katharina GOldmann sagt:

    Hallo liebe Sarah!

    Du hast die schönste Stimme vom Sender! Wir lieben Dich!
    Bleib gleich bei dem Sender, du hörst dich sehr gut an!
    Hab mir sofort gedacht, dass dieser Artikel von dir kommt. Ein super Thema.
    Noah lässt dich grüßen und küssen, Oma auch.

    Piss bald,

    Kathüps

  • Larry sagt:

    Hey!

    Super cooler Podcast!

    Sarah Stimme ist echt beeindruckend, das weiß man live ja gar nicht so zu schätzen. ;)

    Und das Thema ist natürlich ebenfalls gut gewählt; benötigt mehr Aufmerksamkeit als es bislang erfährt, um Druck auf die Geschäfte auszuüben die Müllflut zu reduzieren.

    LG,
    Larry

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