Pilgern in der (eigenen) Stadt – für mehr Muße im Alltag

Redaktion am 17. Juli 2012 - Keine Kommentare

(Anmoderation:)

Circa 2.300 Kilometer sollen es von unserem Studio in der Lohstraße bis ins spanische Santiago de Compostela sein. Dorthin pilgern jedes Jahr tausende Gläubige, aber immer mehr auch Menschen, die einfach mal raus wollen aus dem Alltagsstress und zur Ruhe, zu sich selbst oder auch zum Glauben finden wollen. Der Pilgerweg dorthin,  der so genannte Jakobsweg, führt auch die Niedersachsen. Vielleicht wäre das ja mal ein Tipp für den bevorstehenden Urlaub. Unsere Kollegin Silke Grob war übrigens auch pilgern, aber nur kurz und ist auch schon wieder da. Wohin, wie weit, ob ihr die Füße schmerzen, … das hören Sie jetzt:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

„Ich bin dann mal weg“, wer kennt nicht den Spruch von einem der beliebtesten zeitgenössischen Pilger und Spaßmacher Deutschlands, Hape Kerkeling. Kerkeling machte sich im Jahre 2001 auf den berühmten Jakobs-Pilgerweg, der am  Grab des Apostels Jakobus im galizischen Santiago de Compostela endet. Auf Pilgerreisen oder Wallfahrten begaben sich die Menschen schon vor Jahrhunderten. Alle großen Religionen kennen Pilgerwege und -Orte. Dabei geht es weniger um das Ankommen, vielmehr bestimmt der Weg das Ziel. Denn auf einem Pilgerweg hält der Wanderer inne, verharrt im Gebet oder schaut einfach mal in sich hinein. Rom, Jerusalem oder eben Santiago de Compostela zählen zu den Hauptpilgerorten der Christenheit. Ein wichtiger islamischer Pilgerweg (genannt die Haddsch) führt von Mekka nach Medina. Aber auch in anderen Religionen begeben sich die Gläubigen auf Pilgerschaft.

Wer jetzt denkt, klingt toll, pilgern würde ich auch gern einmal, – nur heiße ich nicht Hape Kerkeling und bekomme mal eben vier Wochen Urlaub vom Chef, der sollte jetzt aufhorchen. Denn seit Freitag den 13. Juli 2012 können die Osnabrücker und ihre Gäste in der Mittagspause oder während eines Kurzbesuches in der Friedensstadt pilgern. Und so kann er klingen der  Osnabrücker Stadtpilgerweg:

“Es ist ein Grünstreifen an der Hase. Eine Naturoase – sozusagen herausgenommen aus dem Getriebe der Stadt. Der Impuls, den wir mit diesem Ort verbinden, wo gibt’s in meinem Leben Rückzugsräume, wo ich zur Ruhe komme, wo ich herausgenommen sein kann aus dem Getriebe!”

Und wie Mann oder Frau, sich am besten herausnimmt aus dem Getriebe, dem Alltagsstress, dem ständigen schneller, höher, weiter erklärt eine der Mitinitiatorinnen, die Referentin für Pilger- und Besinnungswege der Landeskirche Hannover, Amelie Gräfin zu Dohna:

“Viele Menschen suchen die Ruhe, weil der Alltag immer anstrengender und schneller wird. Viele machen sich ja auch im Urlaub noch Stress. Und manche merken, dass sie das im Urlaub eben auch anstrengt und suchen neuerdings ruhige Angebote, die sie mehr zu sich selber kommen lassen. Und da ist der Stadtpilgerweg oder überhaupt das Pilgern ein Angebot, was hilft!”

Acht Stationen verbindet der vier Kilometer lange Pilgerweg. Beginnend vom Dom mit seinem Kreuzgang, über das Heger Tor ins Katharinen-Viertel, wo einst die „alte Synagoge“ stand. Von dort aus zum Schloss, um nach 1,5 bis 2 Stunden am historischen Rathaus zu enden. Auf seinem Weg findet der Pilger jeweils einen Gedanken passend zum Ort.  „Wie erlebe ich Macht – und wie übe ich diese aus“ ist beispielsweise auf Seite 12 des Pilgerführers zu lesen. Wir stehen vor dem Osnabrücker Schloss – ein Ort der Macht.

Nach einigen Stationen führt uns der Stadtpilgerweg mitten hinein auf  Osnabrück‘s Shoppingmeile. Umgeben von lockenden Schaufensterangeboten, „coffee to go“  und  dröhnenden Kehrmaschinen, soll der Stadtpilger auch hier zu sich finden. Amelie zu Dohna rät unserer kleinen Pilgergruppe nachzudenken über Konsum, Zufriedenheit, Besitz. Auch ich denke an manchen Frustkauf und bin überrascht, wie anders die Große Straße plötzlich wirkt, lässt man Schaufenster, Tütenschleppen und Handy mal beiseite und schreitet bewusst und mit Ruhe den Weg entlang.

“Es ist bewusst kein Sightseeing-Weg, sondern ein Weg, der auch Kirchen und Rathaus bedenkt, aber eben auch die Orte unseres alltäglichen Lebens, – weil auch da ist Gott, auch da können wir zur Ruhe kommen, nachdenken. Mein Anliegen ist, dass man auf diesem Weg an den normalen Alltagsorten ist, aber sein eigenes Verhalten ändert.”

Wir können auch an lauten Orten üben, ruhig zu sein. Das ist eine Anleitung, die dieser Pilgerweg gebe, meint Amelie zu Dohna, und entspannt treffe ich gemeinsam mit meinen Mit-Pilgern am Rathaus ein, und werde eingeladen, über den eigenen inneren Frieden nachzusinnen oder an jene zu denken, mit denen ich diesen letztlich noch schließen sollte.

(Abmoderation:)

Für all jene, die jetzt schon lospilgern wollen, – die Pilgerbroschüre, herausgegeben von den evangelisch-lutherischen Kirchen, ist an der Osnabrücker Touristeninformation erhältlich oder bei allen Gemeinden. Ab Oktober 2012 bietet der evangelisch-lutherische Kirchenkreis zudem geführte Pilgerwanderungen durch Osnabrück an. Und wer selbst Pilgerführer auf der Spur des Friedens werden will, kann an einer Extra-Schulung teilnehmen. Natürlich können die Pilgerführungen auch gebucht werden. Ansprechpartner ist Pastor Martin Wolter, den Sie telefonisch unter (0541) 5 69 01 69 erreichen.

Download

Download

Sag deine Meinung!

Kategorien