Neue osradio-Reihe “Ich sterbe für Osnabrück” – Johannes Eidt

Verena Brinkmann am 24. Juli 2012 - 3 Kommentare
Verena Brinkmann

(Anmoderation:)

Heute geht es in unserer osradio 104,8 Reihe: „Ich sterbe für Osnabrück“ um den Künstler Johannes Eidt. Er sagt uns hier, was er so toll an Osnabrück findet und was Auswärtige unbedingt in Osnabrück gesehen haben sollten. Und bitte, Herr Eidt, das ist Ihre Bühne:

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Ich bin Johannes Eidt, und ich lebe schon … 200 Jahre in Osnabrück. Also, seit meiner Geburt bin ich hier anwesend.

Ich habe schon mal überlegt, woanders hinzugehen. Aber, das ist nicht so einfach. Ich habe hier in Osnabrück schon knapp 50 Jahre mein Atelier. Und – es wäre nicht schlecht gewesen in den ersten Jahren gleich nach München, oder nach Hamburg oder nach Berlin zu gehen. Meine Vorstellung war immer, nach Frankfurt zu gehen, weil das so günstig liegt – mitten in Deutschland – damals jedenfalls. Und ja, ich hab überlegt, woanders hinzugehen. Aus beruflichen, aus existenziellen Gründen.

Ich finde, rein praktisch gesehen, Osnabrück liegt toll in Deutschland. Man kann auf den Autobahnen nach Süden, Osten, Westen und nach Norden fahren. Und man kann mit der Bahn das gleiche tun. Also, so ganz abgelegen sind wir nicht. Als Künstler kann man nicht von dieser Stadt leben – die Stadt ernährt ihre Künstler schlecht oder gar nicht! Also, muss man sehr viel unterwegs sein, und da liegt Osnabrück so schlecht auch wiederum nicht. Man kann auch nach Amsterdam, um da mal eine Ausstellung zu machen. Von daher bin ich hier in Osnabrück geblieben.

Sie müssen an erster Stelle das Felix-Nussbaum-Haus besuchen. Wegen der Architektur und der Bilder dieses verfehmten Künstlers. Das sollen Sie unbedingt besuchen, und ich würde auch sagen, Sie sollen ruhig mal über den Herrenteichswall gehen, dann sehen Sie nämlich die mächtige Anlage des Doms und die Marienkirche, Sie sollen auch ruhig mal auf den Marienkirchturm steigen. Das sind Punkte, die ich jedem Fremden empfehle.

Jaa, oh, da bin ich stolz. Es ist eine Stadt, es ist meine Stadt, ich komme mit den Leuten gut aus, wir hatten alle die gleichen Angewohnheiten unserer Sprechweise. Ja, und es gab … gibt immer noch tolle Keipen. Und ich sage, es gab Osnabrücker Bier – irgendwo ist der Name ja noch erhalten. Also, eine Stadt mit richtig Tradition, und ich führe sehr oft Fremde durch diese Stadt – vor allem aus Japan oder aus den USA – und sie sind immer für wahr erstaunt, was für einen tollen mittelalterlichen Stadtkern wir hier haben.

Für mich bedeutet Osnabrück, dass ich einen Platz haben muss, – wenn ich viel unterwegs bin, ich bin gerade wieder seit Monaten aus Japan zurückgekommen, ich werde wieder in andere Länder gehen, werde ausstellen – und Osnabrück bedeutet für mich, das ist der Platz, – ich sag das mal ganz schlicht, “wo ich mein Hemd wechseln kann”.

Mir gefällt es am Callmeyerplatz, dass ist da, wo die Lotterstraße und wo der Kirchenkamp und die Blumentalstraße und die Friedrichstraße zusammenkommen. Da bin ich nämlich geboren – in der Friederichstraße.Und ich erinnere mich immer, wenn ich da langgehe, dass wir die Blumentalstraße im Winter mit unseren Schlitten runtergesaust sind. Über die Lotterstaße hinweg. Da war ja kaum Verkehr da. Die Straßenbahn fuhr aber trotzdem schon. Und dieser Platz hat etwas von – ja – da muss ich wirklich kitschig werden – es ist so was von Heimatgefühl. Weil ich da als Kind aufgewachsen bin, aber auch die Trümmergrundstücke gekannt und darin rumgespielt und gewühlt – jetzt gibt es die Kneipe dort – aber es ist nach wie vor eine Stelle, wo ich mich richtig wohl fühle!

Da muss ich nicht lange überlegen: Ich lebe hier – mit meinem Atelier, mit meiner Wohnung, mit meiner japanischen Frau – seit Jahrzehnten in der Altstadt. Und da ist das Viertel, was ich am meisten mag, das Hegertorviertel!

In der Stadt kann ich am besten entspannen, wenn ich – ich sagte es schon, wenn ich über den Herrenteichswall gehe. Dort gibt es Bänke, dort ist Ruhe, dort fließt die Hase. Neuerdings finde ich auch den Haseuferweg (ich sag immer den Hasäuferweg) – also, den Hase-Uferweg finde ich auch toll. Da ist noch viel rauszuholen für Entspannung, da können noch Bänke stehen usw. Tja, ich freu mich drauf, dass die Stadt für die Bürger immer freundlicher wird!

Weil, hier meine vielen Freunde sind. Hier sind meine Kneipen, hier leb ich, ja – hier kenn ich jeden Winkel. Hier kenn ich das Rathaus, mit der unterschiedlichen Besetzung der prominenten Leute. Ich kenne die gothische Marienkirche und den romanischen Dom. Ach ja, ich mag die Neustadt, und ich mag die Spaziergänge über den Schölerberg. Und ich lobe vor unseren Gästen den Osnabrücker Zoo – der wäre einmalig, und das glaube ich natürlich auch. Deswegen “sterbe” ich für Osnabrück, aber ich würde auch sagen, es “ei(l)dt” nicht!

(Abmoderation:)

Künstler Johannes Eidt war das im Rahmen unserer kleinen osradio 104,8 Reihe: „Ich sterbe für Osnabrück“. Morgen (25.07.2012) geht’s bei uns um Todor Todorovic, den Kopf der Blues Company. Mehr dazu um kurz nach sieben Uhr.

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