Aspekte der Prostitution – Zwangsprostitution (Teil 2)

Redaktion am 25. Juli 2012 - Keine Kommentare

(Anmoderation:)

So wie gestern angekündigt, folgt hier nun der 2. Teil zum Thema “Zwangsprostitution”. Bisher ging es im ersten Teil darum, wie Frauen überhaupt in die „Falle der Zwangsprostitution“ geraten. Heute wollen wir Ihnen einen kleinen Einblick verschaffen und Sie informieren, wie problematisch der Umgang mit Zwangsprostitution ist. Aber auch, wie den Frauen geholfen werden kann. Also, folgen wir doch ganz einfach den weiteren Ausführungen unserer Kollegin Julia Westphal:

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Menschenhandel und Zwangsprostitution ist ein Thema, das auch in Osnabrück umsichgreift. Die Hellziffer sieht so aus, dass rund 400 Frauen in 70 Bordellen sexuell ausgebeutet werden sollen. Die Dunkelziffer soll noch deutlich höher sein. Gerade Zwangsprostitution geschieht oft im Zusammenhang mit Menschenhandel. Bei deutschen Frauen ist die so genannte “Loverboy-Methode” beliebt. Dabei spielt der Zuhälter der Frau ein Liebesverhältnis vor, um sie zur Prostitution zu überreden. Mit Drohung und Gewalt wird die Frau schließlich völlig gefügig gemacht. Ausländische Frauen werden entweder entführt oder angeworben. Heutzutage sind das oft Frauen aus osteuropäischen Ländern.

Gerade Frauen in ärmeren Ländern sind aufgrund ihrer Notsituation sehr anfällig für Versprechungen auf eine bessere Zukunft. So geraten sie schnell an Menschenhändler. Monika Hartenfels arbeitet bei einer Hilfsorganisation für Frauen in Osnabrück. Zur Arbeit von “SOLWODI” gehört auch die Hilfe von Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Sie schildert den Fall einer Klientin:

“Eine Klientin aus Schwarz-Afrika, deren Eltern ums Leben gekommen waren, die dann mit einem älteren Freund des Vaters zwangsverheiratet werden sollte. Sie arbeitete dort in dieser Familie  des wesentlich älteren Mannes als Haussklavin und ist geflüchtet – da war sie nicht einmal 16 Jahre alt. Sie hat sich in der nächstgrößeren Stadt in Sicherheit bringen können – wie sie dachte. Dort wurde sie von einer Frau angesprochen, “die klar erkannt hatte, dass dieses junge Ding nicht wusste wohin und niemanden hatte. Und – tja – diese Frau erschlich sich ihr Vertrauen, und kam mit der Idee, man könne ja in Deutschland am besten gut Geld verdienen, und sie würde sich um alles kümmern. Und so geriet dieses Mädchen in die Fänge der Menschenhändler!”

Der Frauenhandel ist allerdings nur schwer unter Kontrolle zu bringen. Dabei gibt es bereits seit 1904 ein internationales Übereinkommen zu Gewährung wirksamen Schutzes gegen Mädchenhandel. Die Vertragsstaaten verpflichten sich dazu, die Verführung sowie den Zwang weiblicher Minderjähriger zur Prostitution unter Strafe zu stellen. Seit 1933 gibt es das Übereinkommen zur Unterdrückung des Menschenhandels mit volljährigen Frauen. Doch nicht alle Gesetze helfen. Seit 2002 ist Prostitution legalisiert. Das Gesetz erleichtert den Zuhältern die Zwangsprostitution, so Hartenfels:

“Spätestens seit 2002, mit Erlass des Prostitutionsgesetzes, ist es sehr viel schwieriger geworden, Menschenhandelsopfer zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung identifizieren zu können. Den Ermittlungsbehörden sind die Hände gebunden. Prostitution ist seitdem erlaubt, und man muss einen begründeten Anfangsverdacht haben, um noch überhaupt Kontrollen durchführen zu können! “

Trotz dieser Gesetze gestaltet sich der Ausstieg für verschleppte Frauen sehr schwierig. Die Übereinkommen helfen den Frauen nur bedingt. In vielen Ländern der EU kann sich eine Frau nur an ein Gericht wenden, wenn sie eine Aufenthaltserlaubnis hat. Die haben die Frauen aber nicht. Sobald sie die Grenze des Landes passieren, wird ihnen der Pass abgenommen. Die Frauen wollen jedoch auch meistens nicht wieder in ihr Heimatland. Dort leben sie meistens in ärmlichen Verhältnissen und werden oft benachteiligt. Diese Situation hat sie erst für die Anwerbung in den Westen empfänglich gemacht. Die Angst vor der sofortigen Abschiebung ins Heimatland hindert die Frauen am Ausstieg, so Monika Hartenfels:

“Ja, da sprechen wir von der ausländerspezifischen Hilflosigkeit. Sie müssen sich vorstellen, viele dieser Frauen wissen überhaupt noch nicht mal in welches Land sie verbracht worden sind. Sie kennen die Sprache nicht, sie kennen die örtlichen Gegebenheiten nicht, sie wissen nicht um unsere rechtlichen Strukturen und sie kommen aus Herkunftsländern, wo man in der Regel kein Vertrauen zu Behörden und zur Polizei hat. Es ist ihnen eingetrichtert worden, dass sie sich an niemanden wenden dürfen, da sie sonst sofort verhaftet würden, da sie sich illegal hier aufhalten, dass man hier den Behörden genauso wenig trauen darf  wie in den Herkunftsländern. Die Frauen haben einfach Angst!”

Viele denken bei Zwangsprostitution direkt an Frauen. Doch nicht nur Frauen sind betroffen. Es gäbe auch genauso Männer, die zur Prostitution gezwungen werden. Ein noch größeres Tabuthema. Doch das große Problem ist: wie kann man unterscheiden, wer sich freiwillig prostituiert und wer nicht? Ein wichtiger Aspekt der Arbeit von SOLWODI ist daher die Freiersensibilisierung. Sie sollen selbst erkennen, welche Frauen nicht freiwillig arbeiten und natürlich dementsprechend handeln.

“Worauf man achten sollte ist folgendes: Es gibt deutliche Anzeichen. Es gibt Anzeichen zunächst einmal wenn der Verdacht naheliegt, dass die Frau noch minderjährig ist oder sehr jung ist. Dass sie sehr verängstigt ist, kaum spricht oder apatisch wirkt. Wenn man beobachtet, dass die Frau das Geld nicht behalten darf , sondern sofort abliefern muss, ist das ein Indiz dafür. Man entdeckt Anzeichen, wenn man beobachtet, dass die Frau misshandelt worden ist etc. etc. Also, wer mit wachem Blick darauf achten möchte und damit rechnet, dass es Frauen gibt, die sich nicht freiwillig prostituieren, der wird diese Anzeichen auch erkennen.”

Aber wo bekommen die Betroffenen Hilfe? Eine Möglichkeit ist es, zur Polizei zu gehen. Eine andere gute Möglichkeit sind die Hilfsorganisationen, die es gibt. In Osnabrück wäre das zum Beispiel SOLWODI. Dort wird den Frauen geholfen, aus den Fängen der Zuhälter zu entkommen und zurück ins Leben zu finden. Eventuell sogar mit einer Zukunft in Deutschland. Monika Hartenfels erklärt, was dann gemacht wird:

“Erst mal die medizinische Untersuchung, die Unterbringung in unseren Schutzwohnungen, die psycho-soziale Beratung und Betreuung durch uns. Nach vier bis acht Wochen in der Regel fassen die Frauen Vertrauen, kommen zur Ruhe und sind stabil, sodass wir beginnen können, gemeinsam zu überlegen, ob ein Deutschkurs möglich ist – gewollt ist. Wir loten aus, welche sonstigen Schulungs- bzw. Bildungsmaßnahmen greifen könnten und bieten eben auch gezielte psychologische und beratende Unterstützung an.”

Die Beratung greift bei der Job- und Wohnungssuche, aber auch bei der Rückkehr ins Heimatland.

(Abmoderation:)

Das war der abschließende dritte Beitrag zum Thema Zwangsprostitution. Morgen lassen wir für Sie einen ehemaligen Zuhälter auspacken, der uns erklärt, wie man ins Rotlichtmilieu abrutscht und dann dort unmittelbar n der Förderung von Prostitution mitwirkt.


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